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„Gottßberg“ – so hieß der Moränenhügel nahe Wurzach seit „unvordenklichen Zeiten“ laut Kamerer Johannes Wetzel, der hier 1686-1723 Ortspfarrer war. Der Hügel verdankt diesen Namen einem Kreuz oder einem Bildstock, der an dieser Stelle stand. Seit Ende des 17. Jahrhunderts trug man sich mit dem Gedanken, auf dem Berg ein Heiligtum zu errichten. Die erste kleine Kapelle, deren Mauerwerk teilweise im jetzigen Altarraum erhalten ist, stifteten Truchsess Ernst Jakob von Waldburg-Wurzach und dessen Gemahlin Anna Ludovica von Waldburg-Wolfegg im Jahr 1709.

Das Kirchlein erwies sich bereits nach drei Jahren als viel zu klein.

Gräfin Anna Ludovica erreichte bald die Genehmigung zum Bau eines Größeren Heiligtums, das in den Jahren 1712-1713 erstellt wurde – die heutige Gottesbergkirche. Diese Kirche wurde am 10. November 1717 durch Weihbischof Conrad Ferdinand von Konstanz feierlich konsekriert: der Hochaltar zu Ehren der sterbenden Heilandes, die Seitenaltäre zu Ehren der sterbenden Gottesmutter und des sterbenden heiligen Josef. Darum wallfahrtete das Volk fortan auf den Gottesberg zu den „heiligen drei End“ und betete dort um eine gute Sterbestunde. Die Innenausstattung der Kirche versteht man nur, wenn man von ihrer ursprünglichen Bestimmung als Todesangst-Christi und Heilig-Grab-Kapelle weiß. Viele Pilger begannen damals die Wallfahrt am Abendmahls-Altar der alten Stadtpfarrkirche, auf dem Weg zum Gottesberg waren sieben Stationen angebracht, Sterben und Tod des Herrn wurden dann in der Gottesberg-Kapelle verehrt. Vom Heiligen Sterben sprechen auch die Heiligengestalten der Nebenaltäre: Franz von Assisi, Theresia von Avila, Bernard von Clairvaux und Katharina von Siena – Heilige der Kreuzesliebe und der Leidensmystik.

Seit 300 Jahren finden sich Beter aus Wurzach und Umgebung, bis weit hinein nach Oberschwaben und in das West- und Unterallgäu, immer wieder hier ein, um des Leidens und Sterbens Christi zu gedenken, sich mit Gott zu versöhnen und ihm ihre Anliegen vorzutragen.

Mit dem 300-jährigen Kirchweih Jubiläum im Jahr 2017 dankten wir Gott für diese begnadete Stätte, in der auch unsere Vorfahren Trost und Hilfe suchten und Hoffnung schöpften.  

Original Urkunde von 1717 - Weihe der Gottesbergkirche

Weihe der Gottesbergkirche - Übersetzung

Wir, Konstantin Ferdinand, durch Gottes und des Apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Trikala und des hochwürdigsten
der heiligen römischen Kirche Fürstbischofs von Konstanz Generalvikar usw.

Allen und jedem einzelnen Leser dieses Schreibens Gruß im Herrn und Folgendes zur Kenntnis:

Wir machen bekannt und bezeugen durch dieses Schreiben, dass wir am 10. November des Jahres des Herrn 1717 dem Pontifikale gemäß die Kirche auf dem Gottesberg bei Wurzach zusammen mit drei Altären 1. die Kirche zu Ehren des sterbenden Herrn und 2. den Altar zu Ehren der sterbenden Jungfrau Maria und 3. den Altar zu Ehren des heiligen Josef geweiht haben und dass die Reliquien der heiligen Justus, Benedikt und Fortunata eingeschlossen wurden. Dabei haben wir als Jahresgedächtnis der Weihe besagter Kirche das Fest der Kreuzerhöhung unseres Herrn Jesus Christus festgelegt.

Indem wir daher wünschen, dass die Kirche und der besagte Altar von den Christgläubigen mit gebührenden Ehren dauerhaft und fromm besucht werden, gewähren wir allen, die am Jahrtag der Weihe der besagten Kirche zusammenkommen und andächtig ihre Gelübde erfüllen, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes gemäß der in der Kirche üblichen Form im Herrn einen Ablass von 40 Tagen.

Zur Beglaubigung haben wir dieses eigenhändig unterschriebene und mit dem bischöflichen Siegel versehene Scheiben erstellt.

 

Am 10. November 1717                                                 Konrad Ferdinand Bischof von Trikala und Weihbischof der Diözese Konstanz

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