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Zeittafel

1509 - Der Gottesberg, dem ein Kreuz oder Bildstock den Namen gegeben hat, erstmals genannt

  Paulanerbrüder Theophilus Maria Miller de Malkowitz,
dem der Gottesberger Reliquienschatz zu verdanken ist.
Mit seinem Nachlass war 1764 die Heilige-Blut-Reliquie
auf den Gottesberg gelangt.

1704 - Truchsess Ernst Jacob von Waldburg-Wolfegg und Anna Ludovica von Wladburg-Wolfegg stiften 2500 Gulden für einen eigenen Wallfahrtspriester
1709 - Graf Franz Ernst von Waldburg-Wurzach legt den Grundstein für eine Heilig-Grab-Kapelle
25.02.1710 - Kamerer Johann Wetzel segnet das Passions-Heiligtum ein
1712 - Das Wurzacher Grafenhaus begründet eine Todesangst-Christi-Bruderschaft auch Bruderschaft vom guten Tod genannt
1712-1713 - Bau der heutigen Barockkirche mit Altären von Johann Ruez
1712-1719 - Matthias Dermle erster Wallfahrtsvikar
1716 - Johann Georg Hofer aus Ottobeuren baut eine Orgel
10.11.1717 - Der Konstanter Weihbischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg konsekriert die neue Wallfahrtskirche
Ende 1764 - Drei Paulanerbrüder aus Rettenbach bei Obergünzburg lassen sich auf dem Gottesberg nieder und bringen die Heilig-Blut-Reliquie mit
1763 - Bau der Klostergebäude
14.09.1757 - In der Gottebsergkirche werden drei Katakombenheilige eingesetzt

18.10.1777 - Fürstbischof Maximilian von Rodt aus Konstanz weiht erneuerten Hochaltar
25.07.1806 - Das Bruderhaus wird bei der Säkularisation aufgehoben und der Gottesberg fällt ans Haus Waldburg-Zeil
05.05.1835 - Tod des letzten Paulanerbruders Joseph Hotz aus Legau
15.08.1886 - Einweihung der neuen Lourdes-Grotte
1899 - Einrichtung von 14 neuen Kreuzwegstationen
1912 - Schenkung des Gottesberges an die Pfarrei St. Verena in Bad Wurzach durch Fürst Georg Max von Waldburg-Zeil – Wiedereinführung der Wallfahrtstage
an den Fastenfreitagen
14.09.1921 - Salvatorianerpatres übernehmen die Wallfahrts-Seelsorge
1928 - Kirchenrenovation und Weihe des Turmglöckchens

 Bad Wurzach mit Gottesberg - um 1917


13.07.1928 - Erstes Heilig-Blut-Fest mit feierlicher Reiterprozession
1930 - Erstellung des neuen Heilig-Blut-Reliquiars - entworfen von P. Querrikus Bürger SDS
1933 -Erste Lichtprozession vom Gottesberg zur Marienstatue beim Stadtbrunnen und erstes Pontifikalamt mit Benediktinerabt Augustin Borer OSB aus Mariastein
1940-1945 - keine Reiterprozession
1945-1946 - Josef Lutz aus Leutkirch restauriert das Heiligtum
1970 - Einbau der jetzigen Turmglocke und des Läutwerkes
21.07.1972 - Die Sathmarer Mutter-Anna-Statue findet auf dem Gottesberg eine neue Bleibe
1982 - Unter Superior Fidelis Bühler baut Johannes Karl aus Aichstetten eine neue Orgel mit 23 Registern
1992-1995 - Renovierung der Außenseiten von Kirche und Kloster
1996 - Restaurierung der Kircheninneren durch Erich Buff aus Sigmaringen
2015-2016 - Renovierung des Kirchturms
2016-2017 - Generalsanierung des Dachstuhls, der Innen- und Außenseiten der Kirche

 

 
 Bad Wurzach mit Gottesberg vom Flugzeug um 1920

Schon 1509 heißt der Moränenhügel bei Bad Wurzach der "Gottßberg".

Seit fast 300 Jahren steht hier eine Kirche.
Eine lange Zeit mit einer sehr wechselvollen Geschichte – und immer wieder neue Aufbrüche und neues geistliches Leben.

Das Wallfahrtsheiligtum zum hl. Kreuz auf dem Gottesberg, "Wurzachs Zierde und Wahrzeichen" (R. Kempter), war nicht von Anfang an mit einer klösterlichen Niederlassung verbunden. Der regierende Graf Ernst Jakob von Waldburg-Zeil-Wurzach (1673-1734) und seine Gemahlin Anna Ludovica (1679-1736) stifteten 1704 eine Pfründe und ließen 1709 mit bischöflicher Genehmigung auf der Anhöhe südöstlich von Wurzach, die schon früher "Gottesberg" genannt wurde, eine Heilig-Grab-Kapelle mit einer Nachbildung der Heiligen Stiege und eine Einsiedelei bauen. Man wallfahrte von der Wurzacher Pfarrkirche an sieben Stationen vorbei zur Kapelle auf dem Gottesberg, verehrte dort das Sterben und die Grablegung des Herrn und betete um eine gute Sterbestunde (Wallfahrtsbüchlein von 1710). Schon 1712/13 ließ das Stifterpaar einen Erweiterungsbau, die heutige Wallfahrtskirche, ausführen (Patrozinium Fest Kreuzerhöhung, 14. September).

Gottesberg - um 1920

Die eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe auf dem Hochaltar und das Schnitzwerk der beiden Seitenaltäre, auf denen der Tod der Gottesmutter und des hl. Josef dargestellt ist (die "heiligen drei End"), schuf der seit 1712 in Wurzach ansässige Tiroler Bildhauer Johannes Ruez. Die priesterliche Betreuung der viel besuchten, mit zahlreichen Privilegien ausgestatteten Kirche nahm ein von den Stiftern dotierter Kaplan wahr, den Mesnerdienst versah ein Eremit. Die 1712 ebenfalls vom Wurzacher Grafenhaus begründete Todesangst-Christi-Bruderschaft, auch "Bruderschaft vom guten Tod" genannt, hatte schon ein Jahr nach der Gründung über 500 eingeschriebene Mitglieder.

Mitte des 18. Jh. bestand die Absicht, auf dem Gottesberg ein Kapuzinerkloster zu errichten, und der durch seine frommen Stiftungen bekannte Pfarrer Dr. Johann Wilhelm Rom von Arnach hinterließ für diesen Zweck ein Kapital von 6.000 Gulden.

Das Vorhaben erhielt jedoch nicht die bischöfliche Genehmigung, weil materielle Nachteile für die Bettelorden in der Nachbarschaft zu befürchten waren. Erst 1763/64 gelang es, drei Terziarierbrüder des Paulanerordens auf dem Gottesberg anzusiedeln. Sie verfügten über ein ausreichendes Vermögen, um das Bruderhaus unterhalten und den Mesnerdienst unentgeltlich versehen zu können. Gegenüber dem Ordinariat bzw. dem Landesherrn mussten sie sich verpflichten, nicht mehr als drei Mitglieder aufzunehmen, keine Spenden zu sammeln, keine Immobilien zu erwerben und dem Ortspfarrer "blinden und vollkommenen Gehorsam" zu leisten. Die mit einem schwarzen Habit bekleideten Brüder, die unter dem Schutz und der Oberaufsicht der Prämonstratenserabtei Rot standen, verdienten ihren Lebensunterhalt durch Handarbeit, hauptsächlich durch Wollspinnerei, Damast- und Barchentweberei. Ihre Erzeugnisse waren offenbar so gefragt, dass es 1774 zu einem Streit mit den Wurzacher Krämern und Webern kam.

Mit den Paulanerbrüdern gelangte auch der reiche Reliquienschatz ihres 1762 in Markt Rettenbach verstorbenen Mitbruders Frater Theophilus Maria Miller de Malkowitz auf den Gottesberg, darunter die heiligen Leiber der Märtyrer Redemptus, Reparatus und Eutropia, die 1767 in die Altäre der Kirche eingelassen wurden, und eine Heilig-Blut-Reliquie. Diese stammte aus dem Privatbesitz des Papstes Innozenz XII., war 1693 durch einen Rompilger aus Günzburg nach Schwaben gelangt und schließlich von dessen Familie 1732 an Bruder Theophilus geschenkt worden. Obwohl die Wallfahrt auf den Gottesberg durch die Paulanerbrüder einen neuen Aufschwung erlebte, fiel die kleine Brüdergemeinschaft der Säkularisation zum Opfer. Fürst Eberhard von Waldburg-Zeil-Wurzach erklärte das Bruderhaus mit Dekret vom 25. Juli 1806 für aufgehoben, beließ die Brüder aber auf Lebenszeit im Genuss ihres Vermögens. Der darauf folgende Streit zwischen dem Königreich Württemberg und dem fürstlichen Haus Waldburg-Zeil-Wurzach wurde 1812 vertraglich beigelegt. Dem fürstlichen Haus Wurzach fielen die Gebäude zu, der Staat zog die Kapitalien ein und setzte jedem der Brüder auf Lebenszeit eine jährliche Pension von 100 Gulden aus. Der letzte Wurzacher Paulanerbruder, Josef Hotz von Legau, starb 1835. Dass die Wallfahrt auf dem Gottesberg der Vergessenheit entrissen wurde, ist nicht zuletzt den Forschungen des Kreuz-Kaplans Karl Finkbeiner zur Geschichte der Pfarrei Wurzach (1905-1907) zuzuschreiben. 1912 schenkte Fürst Georg von Waldburg-Zeil-Trauchburg Kirche und Bruderhaus der Pfarrgemeinde Wurzach, die 1921 Salvatorianer auf den Gottesberg holte. Bis heute ist der Gottesberg vor allem dank der Heilig-Blut-Reliquie ein im besten Sinne volkstümlicher Wallfahrtsort geblieben und das 1928 eingeführte, immer am zweiten Freitag im Juli gefeierte Heilig-Blut-Fest mit Reiterprozession ("Blutritt") gehört zu den großen religiösen Ereignissen Oberschwabens.

RUDOLF BECK

Literatur:

  • <ERZBERGER> 405.
  • <Württ. Klosterbuch> 519f. (R. BECK).
  • <KDW Leutkirch> 173-176.
  • K. FINKBEINER: Aus der Pfarreigeschichte von Wurzach. I. Der Gottesberg bei Wurzach.
  • In: <DAS> Nr. 11/12 (1905); Nr. 1- 4 (1906).
  • R. SCHNEIDER / R. KEMPTER: Bad Wurzach. Geschichte und Denkmäler. Bad Wurzach 1963. I O. BECK: Gottesberg Bad Wurzach. München-Zürich 1989.
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