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P. Guerricus Bürger SDS
und
P. Philippus Waldenmaier SDS

14. September 1921 - Unsere neuen Mönche auf dem Gottesberg

     Der heutige Tag, Kreuzerhöhung 1921, wird ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der Stadtpfarrgemeinde Wurzach bleiben. Schon vor Jahresfrist faste der Kirchenstiftungsrat den Beschluss, der Errichtung einer Ordensniederlassung auf dem Gottesberg näher zu treten und auch der Gemeinderat billigte einstimmig diesen Plan. Nach langem Warten, das durch die Wohnungsnot veranlasst wurde, ist es nunmehr möglich geworden, den hierzu berufenen Ordensgeistlichen ihr Klösterlein zu überlassen.
Es dürfte für die Leser von Interesse sein, Näheres über die Ordensgemeinschaft zu erfahren, der unsere neuen Klosterherren angehören.
       Es ist dies die Gesellschaft des Göttlichen Heilandes: nach dem lateinischen Wort Salvator = Heiland werden die Ordensangehörigen gewöhnlich kurzweg Salvatorianer genannt.
Die Kongregation ist erst jüngeren Datums; sie verdankt ihr Entstehen einem badischen Weltpriester Pater Franziskus Jordan, der im Jahre 1881 die erste Niederlassung in Rom, dem jetzigen Mutterhaus, gründete….
Diesem großen Werk reiht sich nun ihr neuestes Klösterlein auf dem Gottesberg ein. Vom hiesigen Kirchenstiftungsrat ist hierzu vorerst der obere Stock des sogenannten Bruderhauses überlassen. Drei Zimmer dienen den Patres als Zellen; ein Zimmerchen ist für den Bruder bestimmt. Hierzu kommen noch ein gemeinschaftlicher Aufenthaltsraum, ein Sprechzimmer und die Küche.
Für die hiesige Niederlassung sind vorerst 3 Patres und 1 Laienbruder bestimmt. Zwei derselben sind bereits hier anwesend: Pater Guerricus Bürger SDS aus den Rheinlanden und Pater Philippus Waldenmaier SDS aus Schwäbisch Gmünd. Der dritte Priester, der wohl als Oberer den Gottesberg beziehen wird, wird nach dem Generalkapitel der Gesellschaft, das gegenwärtig in Rom tagt, ernannt und in einigen Wochen auch eintreffen. Der Laienbruder wird täglich erwartet; er kommt ebenfalls aus einem deutschen Kollege.
      Zwei Patres werden wohl die meiste Zeit auswärts tätig sein durch Aushilfe in der Seelsorge oder bei Exerzitien und Volksmissionen. Der dritte Pater aber wird stets anwesend sein, um täglich auf dem Gottesberg die heilige Messe zu lesen und den Wallfahrern im Beichtstuhl und anderwärts seine Dienste zu leisten.
Ein herzlicher Willkommgruß sei hiermit den Mönchen im Ordensgewand entboten. Gott segne Euren Eingang! Gottes Gnade begleite Euch bei Eurem Schaffen und Wirken zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen!

Stadtpfarrer: Karl, Oskar Diener
Wurzacher Anzeiger vom 14.09.1921
Fotos: Gottesberg Chronik


Die Feier auf dem Gottesberg am Feste Kreuzerhöhung: 14.09.1921

Das Fest ist vorüber - und gleich zu Anfang unseres Berichtes sei es gesagt - es ist vorüber gegangen ohne jegliche Störung zur allgemeinen Zufriedenheit. Es gewährt noch eine nachträgliche Freude, den ganzen Verlauf nochmals in der Erinnerung an sich vorüber ziehen zu lassen. Wie lange spricht man denn eigentlich schon von dem neuen Klösterlein auf dem Gottesberg? Schon vor mehr als Jahresfrist fasten der Kirchenstiftungsrat und der Gemeinderat ihre entsprechenden Beschlüsse; alles meinte, nun werde schon in nächster Bälde das Fest des Einzugs gefeiert werden können; alles fragte: Wann kommen denn endlich die neuen Patres? Niemand ahnte, welch große Schwierigkeiten noch zu überwinden waren, niemand wusste, wie die Wohnungsnot, die den bisherigen Wohnungsinhaber keine neue Wohnung finden ließ, die Ungelegenheit immer wieder verzögerte. Ja als alle Wege geebnet schienen, da türmten sich noch in letzter Stunde neue Hindernisse auf, die das geplante Fest fast noch zum Scheitern gebracht hätten. Da bedurfte es schon der ganzen Beredsamkeit edler Frauen, um auch diese Wogen zu glätten; erst 8 Tage vor dem ihn Aussicht genommenen Termin konnte man mit Sicherheit sagen: Nun steht nichts mehr im Wege, das Fest kann gefeiert werden. Jetzt galt es, die Wohnung zu einem kleinen Klösterchen umzuwandeln. Da musste eine Tür zugemauert, dort eine Wand durchgeschlagen werden, hier musste ein Kamin ausgeführt, dort eine neue Treppe errichtet werden, um einen direkten Weg von der Wohnung durch die Lourdeskapelle zu Kirche zu schaffen. Maurer und Zimmermann, Glaser und Schreiner, Maler und Schlosser wetteiferten miteinander, um zu zeigen, wer am flinksten zu arbeiten verstehe. Schließlich war es soweit, dass man den Einzug halten konnte mit 4 Bettladen samt Zubehör, die man bei der H.T.W. angekauft hatte; jetzt war wenigstens ein „eiserner“ Bestand da und der gute Pater Philippus, der vorerst allein den Haushirten machen sollte, konnte zum ersten Mal seine müden Glieder auf dem Strohsack ausstrecken; es mag wohl ein hartes Lager sein, aber ein Pater weiß sich in alles zu schicken. Bald rückten dann die verschiedenen Gaben aus den Sammelstellen an, angefangen vom Kochtopf bis zum Suppenlöffel, vom Spüllumpen bis zur Kaffeetasse; auch für die Kaffeemühle sorgte zu guter Letzt eine mitleidige Seele. Und dazu kamen auch die Dinge, auf die die Töpfe warteten in Gestalt von Lebensmitteln und der Pater Philippus stand schmunzelnd dabei und wusste sich nicht zu helfen. Denn eines fehlte, nämlich der Bruder Koch, der in einer Person auch den Messner und den Gärtner und den Schreiner und das Mädchen für alles machen sollte. Der aber ist bis zur Stunde noch nicht da; er sollte aus München kommen, musste aber dort zuvor von einem anderen aus Paderborn abgelöst werden und der konnte nicht fort, ehe sein Stellvertreter aus Lochau zur Stelle ist. So heißt es eben, geduldig abwarten. Inzwischen hütet der Pater sorgsam seine Schätze und gedenkt dabei dankbarst der guten Wohltäter.



Unterdessen rückt das Fest näher und näher; da musste auch der Kirche ein würdiges Gewand gegeben werden; gute Frauen putzten und scheuerten denn von oben bis unten und dazwischen hantierte im Schweiße feines Angesichts eine Gestalt im schwarzen Habit mit ungebundener Schürze; wir kennen ihn schon. Siehe! da bringen Mitglieder der Kongregation Kränze und Girlanden herbei, die sie unter Leitung und Mithilfe von Herrn Gärtnermeister Wiggenhauser und Frau kunstvoll gefertigt hatten; sie sollen nebst den grünen Tännchen aus dem Wald der Kirche das Festkleid geben. Da und dort setzte der Maler noch feinen Pinsel zur Ausbesserung an; die Altäre bekamen ihren letzten Schmuck aus den Händen der ehrw. Schwestern von Maria Rosengarten und nun stand das Kirchlein so sauber und schmuck da, dass man es fast nicht wiedererkannte; es stand im Festkleid da und harrte mit Sehnsucht feiner Auferstehung zu neuem dauernden Glanze.
Zu gleicher Zeit war man auch draußen vor der Kirche an die Arbeit gegangen. Lange hatte man gezaubert, denn der heftige Wind während der letzten Tage ließ nichts Gutes ahnen. Doch Mann war guter Hoffnung; im Eiltempo errichtete Hr. Zimmermeister Willburger mit seinen Gehilfen ein sicheres Podium für Gäste und Kirchenchor, erstellte darauf Altar und Kanzel und eine Fuhre nach der anderen brachte dank der Ausdauer des Fuhrmanns (Herrn Fimpel) alles herauf zur Höhe, was man brauchte, um den ganzen Aufbau ein möglichst schönes Bild und dem Festgottesdienst ein glänzendes Gepräge zu geben. Frohen Sinnes über das gelungene Werk konnte sich Herr Kirchenpfleger Hierlemann die Schweißtropfen abwischen, die ihm die vielen Arbeiten und Sorgen ausgepresst hatten.
Jetzt wenn nur der Himmel ein freundliches Gesicht macht! und siehe da, am andern Morgen erstrahlte die Sonne im hellsten Glanze und lockte gar viele Besucher zum Feste. Von allen Seiten kamen sie herangeschritten; Wagen und Wagen fuhr zur Stadt herein und die Eisenbahn brachte die letzten Gäste. Während des ganzen Morgens war die Kirche gefüllt von andächtigen Betern, die beim heiligen Messopfer beiwohnten und Beichtstuhl und Kommunionbank aufsuchten.



Zur festgesetzten Stunde setzte sich die Prozession auf dem Gottesberg unter dem festlichen Geläute der Glocken in Bewegung; es mag ein prächtiges Schauspiel gewesen sein, wenn man von der Höhe aus, den schier endlosen Zug sich den Berg heraufschlängeln sah. An der Spitze ging die Schuljugend Unterführung ihrer Lehrer; daran schlossen sich die Vereine: Gesellen, Arbeiter, Turnverein, Liederkranz, Kriegerverein und die verschiedenen Zünfte. Hierauf folgte der Kirchenchor mit der Musik. Den Ehrenplatz in der Prozession nahmen die bürgerlichen Kollegien und der Kirchenstiftungsrat, sowie einige Ehrengäste, darunter Graf Konstantin von Waldburg-Zeil und Gräfin Marie von Kißlegg ein. Besonders in die Augen fiel die folgende Gruppe mit 17 Lochauer Studenten, die aus ihrer Heimat hierhergeeilt waren, um an dem schönen Feste teilzunehmen; sie waren geführt von 3 Lochauer Lehrern. Ungefähr 15 weitere Geistliche aus der Umgebung schritten im Zug direkt vor dem amtierenden Klerus, dessen wertvoller Ornat im Sonnenlicht prächtig funkelte. Den Schluss bildete eine unabsehbare Menge von Männern und Frauen von hier und Umgebung. Der ganzen Prozession gaben die buntfarbigen Vereins- und Kirchenfahnen ein farbenprächtiges Bild. Unter den Klängen der Musik war das Ziel des Gottesberges in Bälde erreicht.

Daselbst nahm der Gottesdienst alsbald seinen Anfang mit dem Stimmungsreichen feierlichen Veni Creator von Stahl. Hierauf hielt der hochw. Herr Stadtpfarrer Diener die vortreffliche Festpredigt. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Gottesbergers zeigte der Prediger im Anschluss an ein Wort des Propheten Isaias, wie man gerade hier oben seinen Gott näher kommen könne durch das Schauen Gottes in der Natur, durch die Betrachtung des ergreifenden Kreuzesbildes in der Wallfahrtskirche und besonders durch die Gegenwart Christi im Tabernakel. Am Schluss der Predigt wurden die hochw. H.H. Patres mit Worten der Beglückwünschung in ihren neuen Wirkungskreis eingeführt und der Segen Gottes auf ihre Arbeiten herabgefleht. Das levitierte Hochamt, das drauf folgte, wurde vom hochw. Herrn P. Guerricus Bürger SDS zelebriert unter Assistenz der beiden Patres Philippus Waldenmaier SDS und Apollinaris Thoma SDS und Herrn Kaplan Vogt. Da der Altar ziemlich erhöht stand, so konnte die hlg. Handlung mit der Schönheit ihrer Liturgie von allen Umstehenden mit Leichtigkeit verfolgt werden. Der Kirchenchor begleitete die gottesdienstliche Feier mit seinen Gesängen und leistete hierbei Vorzügliches. Er brachte die Lucienmesse von Witt mit Musikbegleitung zur Aufführung; neben vollendeter Tonrichtigkeit zeichneten sich die Darbietungen besonders durch prächtige Klangfülle und harmonisches Einfügen der einzelnen Stimmen aus; auch das eingelegte Laudate Dominum von Ett wurde in stimmungsvoller Weise zum Vortrag gebracht. Ein besonders feierlicher Moment war die Übertragung des Allerheiligsten in der Monstranz unter den Klängen der Segenstrophen von Ett zur dauernden Aufbewahrung im Tabernakel. Zum Schlusse richtete P. Guerricus Worte innigsten Dankes für die freundliche Aufnahme und herzlicher Einladung an die Gläubigen. Mit dem Te Deum nahm die so würdig und erbaulich verlaufende Feier ihr Ende.

Die auswärtigen Gäste vereinigten sich im Gasthof „Rößle“ zu einem einfachen Mittagsmahl, das allseits wohl befriedigte. Die Pause benützte Herr Stadtpfarrer Diener, um auch hier bei der weltlichen Feier die hochw. H.H. Patres zu bewillkommnen und ihnen die besten Wünsche für ihr ferneres Wirken auszusprechen, worauf P. Apollinaris im Namen seiner Ordensgemeinschaft nach allen Seiten hin den gebührenden Dank abstattete. Im Namen der Geistlichen Nachbarschaft sprach Herr Kamerer Gaupp von Ziegelbach als ihr Senior warme Worte der Begrüßung, während Herr Pfarrer Krieger von Arnach alte Erinnerungen an die früheren mit der Seelsorge auf dem Gottesberg betrauten HH. Kreuzkapläne in launiger Weise auffrischte. Den Schluss der Tischreden bildete eine sehr beifällig aufgenommene Ansprache des Herrn Stadtschultheiß Graf, der im Namen der Stadt die neuen Bürger willkommen hieß und gegenseitige freundliche Beziehungen anwünschte. Wohl befriedigt verließen uns im Laufe des Nachmittags die auswärtigen Gäste. Wir Einheimische möchten auch an dieser Stelle noch einmal den Wunsch aussprechen, Gott möge das so schön begonnene Werk auch künftig mir seinem Segen begleiten und zu einem guten Gedeihen führen.

Wurzacher Anzeiger vom 17.09.1921
Fotos: Gottesberg Chronik

 

Zut Einführung der Salvatorianer Patres auf dem Gottesberg

Was schallt das Glöcklein heut so freudig helle
Vom stillen Gottesberg hinab ins Tal
Und ruft zur tannumrauschten Kreuzkapelle
Die frohen Festprediger allzumal?

Ja, eilt herbei! Es gilt ein Auferstehen!
Ihr alle wisst zu deuten diesen Klang:
Wir feiern ein frohlockend Kreuzerhöhen,
Das kündet Euch des Herzens frommer Drang.

Wie einst die Kreuzreliquie tief verborgen
Im Felsenschoß geruht, bedeckt mit Nacht,
Bis ihr getagt der Kreuzerfindungsmorgen
Und sie sich strahlend hob aus dunklem Schacht.

Und wie sie sieghaft zog durch alle Lande,
Umleuchtet von der der Kreuzerhöhung Glanz,
So lösen sich auch hier heut´ alte Bande
Der Trauerschleier weicht dem Freudenkranz.

Denn der verloschen war durch lange Jahre,
Der ewigen Lampe gnadenvoller Schein,
Flammt neuentzündet vor dem Kreuzaltare:
Der schließt sein höchstes Kleinod wieder ein.

Und gottgesandter Männer treues Walten
Soll neu erstehen auf dem Gottesberg,
Zu reicher Ernte soll es sich entfalten,
Des Seeleneifers gottgefällig Werk.

So seid willkommen in der kleinen Klause,
Und streuet Segen aus, wohin ihr geht;
Die Stätte findet ihr in diesem Hause,
Die ihr gesucht für Opfer und Gebet.

Nun, Pilger, strömt herzu von nah und ferne,
Euch wollen sie ihr Leben, Wirken weih´n,
Euch winken hier des Heiles goldne Sterne,
Die Pforten sind erschlossen, ziehet ein!

Schwester Apollonia – Oberin im Maria Rosengarten - Wurzach
Wurzacher Anzeiger vom 12.09.1921

 

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