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Der Seligsprechungsprozeß von P. Franziskus Jordan

P. Jordan - Kirche in Gurtweil
P. Jordan - Kirche in Gurtweil

P. Franziskus Maria vom Kreuze Jordan (1848-1918), Gründer der Gesellschaft des göttlichen Heilandes in ihrem männlichen und weiblichen Zweig, starb in Tafers bei Freiburg in der Schweiz im Ruf der Heiligkeit. Dieser Ruf hatte sich schon in den beiden letzten Jahrzehnten seines Lebens immer klarer herausgebildet - nicht bloß bei seinen geistlichen Söhnen und Töchtern, sondern auch bei anderen Persönlichkeiten, die ihn näher kennen lernen konnten. Einer größeren Öffentlichkeit wurde P. Jordan seit der ersten Biographie von P. Pancratius Pfeiffer (1872-1945), seines Nachfolgers im Amt des Generalobern, bekannt, die den Titel trug „P. Jordan und seine Gründungen” (1930). Da sich der Ruf der Heiligkeit von P. Jordan weiter festigte, wurde 1942 in Rom der Seligsprechungsprozess eröffnet. Dort wurden 19 Zeugen befragt. Bis 1949 wurden weitere Diözesanprozesse durchgeführt: in Freiburg in der Schweiz, Passau, Paderborn, Wien, Olmütz, Rio de Janeiro und Green Bay (USA). Insgesamt kamen 105 Zeugen zu Wort.
1956 wurden die Gebeine von P. Jordan von Tafers nach Rom ins Mutterhaus der Salvatorianer überführt. Dies geschah in dem Augenblick, als seine Verehrung dort anwuchs. Aber nun zeigte sich diese Verehrung in besonderer Weise auch im Mutterhaus, das von geistlichen Söhnen und Töchtern aus vielen Ländern, aber auch von anderen Gläubigen besucht wurde. In den sechziger Jahren entstand für den Seligsprechungsrozess von P. Jordan eine schwierige Lage.

Sie ergab sich zunächst aus der Verflechtung seines Prozesses mit zwei anderen Prozessen, dann aber auch aus der nachkonziliaren Krise. Die beiden anderen Prozesse galten der seligen Maria von den Aposteln (Therese von Wüllenweber), mit der P. Franziskus 1888 die Kongregation der Schwestern des göttlichen Heilandes gegründet hatte, sowie der Dienerin Gottes Schwester Franziska (Amalie Streitel). Mit ihr hatte P. Franziskus 1883 in Rom eine Schwesterngemeinschaft ins Leben gerufen. Doch trennte sich Schwester Franziska mit ihren Schwestern nach zweieinhalb Jahren von ihm unter Mitwirkung von Kardinalvikar Parocchi, da sie eine andere Ausrichtung verfolgte. Angesichts dieser Verflechtungen wurde nun in den sechziger und siebziger Jahren eine Fülle von Dokumenten zusammengetragen, durch die das Leben von P. Franziskus in ein neues Licht gestellt werden konnte.
Seit Ende der siebziger Jahre konnte nach den juristischen, historischen und spirituellen Leitlinien der nachkonziliären Neuordnung der Seligsprechungsprozesse auch der Prozess von P. Jordan in neuer Weise fortgeführt werden. Zudem ermöglichte P. Timotheus Edwein SDS durch eine kommentierte Ausgabe seines Geistlichen Tagebuchs und durch eine unvollendete Biographie einen neuen Zugang zum Leben und zur Spiritualität des Dieners Gottes. Daraus erwuchs in den folgenden Jahrzehnten eine Vertiefung und Ausweitung des Rufes der Heiligkeit von P. Jordan über die Grenzen der salvatorianischen Ordensgemeinschaften hinaus. Dies gilt besonders für die Gruppen salvatorianischer Laien, die sich nach dem Konzil in manchen Ländern neu bildeten. In dieser Zeit blühte auch in Gurtweil, dem Heimatort von P. Franziskus Jordan, die Verehrung seines großen Sohnes stärker auf. 1998 wurde dort die 150-Jahrfeier seiner Geburt unter dem Vorsitz von Erzbischof Saier mit großer Anteilnahme der Gläubigen und der salvatorianischen Familie feierlich begangen.


Positio- Biographie des Gründers

In den letzten Jahren - zwischen 2001 und 2005 - wurde die sog. Positio abgeschlossen, die vor allem eine mit reichem Quellenmaterial dokumentierte ausführliche Biographie sowie eine Darstellung der Tugenden des Dieners Gottes und seines Rufes der Heiligkeit enthält. Am 14. Januar 2011 hat die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse die heroische Tugendhaftigkeit unseres Gründers autoriesiert und veröffentlich. Nach den vielen Jahren des Seligsprechungsprozesses hat die Kirche nunmehr offiziell festgestellt, dass unser Gründer ein heiliges Leben geführt hat und jetzt mit dem Titel "Venerabilis Servus Dei - Ehrwürdiger Diener Gottes" bezeichnet werden darf. Auch der Wunderprozess ist in Gang gekommen. Frau Patricia Morris aus den USA, junge Mutter und Schwester eines Salvatorianers, der in Tanzania als Missionar wirkt, war von einer Krebserkrankung überraschend geheilt worden. Besonders ihr Bruder und Schwestern in Tanzania hatten die Fürbitte von P. Franziskus angerufen. Bischof Kevin Bolland hat in seiner Diözese Sawannah (USA) ein Tribunal eingesetzt, dessen Mitglieder in einem Diözesanprozess die ungewöhnliche Genesung von Frau Patricia Morris untersuchten. Leider eine Voruntersuchung durch zwei Mediziner ergab, dass die Heilung doch natürlich erklärbar sein könnte. Patienten mit ganz ähnlichen Diagnosen waren in einem gewissen Prozentsatz natürlich geheilt worden.

Am 24. Januar 2014 stellten Eheleute aus Jundiai in Brasilien erfreut fest, dass sie ein Kind erwarteten. Aufgrund von Schwierigkeiten während der Schwangerschaft wurden verschiedene Untersuchungen vorgenommen. Nach den medizinischen Untersuchungen erklärten die Ärzte, dass ihre Tochter wahrscheinlich an einer Skelettfehlbildung leiden würde. In diesem schwierigen Moment beschlossen die angehenden Eltern, durch die Fürsprache Pater Jordans zu beten.; dies taten sie gemeinsam mit der Gruppe der Laiensalvatorianer/innen, der sie angehören, sowie mit einigen Salvatorianern und salvatorianischen Schwestern. Das Baby, Livia Maria, wurde vollkommen gesund am 8. September 2014 geboren, am Fest Mariä Geburt und am Todestag von Pater Jordan.

Die beiden Mediziner, die Livia Maria und ihre Mutter betreuten, sowie die Ärzte, die konsultiert wurden, sind der Meinung, dass dieser Fall sich nicht medizinisch erklären lässt. Deshalb wurde beschlossen, das kanonische Verfahren einzuleiten, um das vermutete Wunder durch die Fürsprache des Gründers offiziell bestätigen zu lassen. Der Generalpostulator P. Adam Teneta und P. Francisco Sydney de Macedo Gonçalves aus der Brasilianischen Provinz, der als Vizepostulator für die Causa ernannt wurde, leiteten die vorbereitenden Schritte.

Nachdem die erforderliche Dokumentation zusammengestellt worden war, wurde ein offizieller Antrag an den Bischof von Jundiai gestellt, der seine Zustimmung gab. Somit konnte am 11. November 2015 anlässlich der Eröffnungssitzung der Diözesan-kurie in Jundiai die Diözesan- Untersuchung des vermuteten Wunders offiziell beginnen. In dieser Sitzung unter dem Vorsitz von Bischof Vicente Costa legten die offiziellen Vertreter der Untersuchung – darunter der bischöfliche Delegierte, der Kirchenanwalt, die Notare und der medizinische Experte sowie der Vizepostulator – ihre Eide ab und die vorgelegte Dokumentation wurde offiziell anerkannt.

Die Diözesan-Untersuchung dient dazu, in der offiziellen, kirchenrechtlich vorgeschriebenen Art und Weise sämtliche Beweise – in Form von Dokumenten und mündlichen Zeugenaussagen – zu sammeln, die zeigen, dass die Heilung wissenschaftlich nicht zu erklären ist, sondern infolge der Gebete durch die Fürsprache P. Jordans geschah. In den späteren Arbeitssitzungen wurden die Zeugen gehört und ihre Aussagen transkribiert.

Am 12. August 2016 fand die abschließende Sitzung der Diözesan-Untersuchung.

Im Zuge dieser Sitzung wurde der Diözesanprozess für abgeschlossen erklärt und der Bischof sowie die offiziellen Vertreter der Untersuchung und der Vize-Postulator versicherten mit einem Eid die gewissenhafte Erfüllung ihrer Aufgabe.

Die Originale der Untersuchungsakten wurden versiegelt und werden in den Diözesanarchiven aufbewahrt; zwei Kopien der Dokumente wurden P. Adam Teneta überreicht, der als Bote ernannt und mit der Verantwortung betraut wurde, sie der

Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen zu überbringen. Die nun folgende Phase des Verfahrens wird in Rom stattfinden und besteht aus der Prüfung der Unterlagen durch die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen. Erst wenn die abschließende Meinung der Kongregation und die Entscheidung des Papstes positiv sind, kann der Fall als ein Wunder durch die Fürsprache von P. Jordan betrachtet werden.

Wir bitten Sie, diese Phase des Prozesses inständig im Gebet zu begleiten. Gleichzeitig sind wir alle umso mehr ermutigt, in allen unseren Anliegen durch die Fürsprache unseres Gründers zu beten.

 

Viele andere Gläubige, die sich im Gebet an P. Franziskus wandten, berichteten von Hilfe und Erhörung, die sie fanden. Die Anerkennung von P. Franziskus als "Ehrwürdiger Diener Gottes" regt uns dazu an, die Gnadenerweise, die wir oder andere auf die Fürsprache von P. Franziskus erhalten haben, den Salvatorianern in München oder Rom mitzuteilen. Das gilt besonders für unerwartete leib-seelische Heilungen, noch viel mehr aber für geistliche Heilungen: für die Gnade des Glaubens oder der Neuerweckung des Glaubens, für die Gnade einer Berufung oder einer neuen Freude an der Berufung, für die Gnade einer Bekehrung. Für den deutschen Sprachbereich wurde eine mit Einführungen versehene neue Ausgabe des Geistlichen Tagebuchs erstellt, die einen tieferen spirituellen Zugang zu P. Jordan ermöglicht. Gebetserhörungen bitten wir an folgende Adressen mitzuteilen:

Salvatorianer
Agnes-Bernauer-Str. 181
80687 München
Deutschaland

Salvatorianer
Via della Conciliazione 51
00193 Roma
Italien

 

 


Literatur:

  • Meisterjahn SDS, P. Jordan – Gründer der Salvatorianer, München 1987
  • Jones SDS, Pater Franziskus Jordan - Apostel des Göttlichen Heilands und Gründer der Salvatorianer, Rom 2006
  • Lammers SDS, Die Spiritualität von P. Jordan, Hamont 2006
  • Franziskus Maria v. Kreuz Jordan, Das Geistliche Tagebuch, herausgegeben von P. Paulus Blum SDS unter Mitarbeit von P. Dr. Stephan Horn SDS und Prof Hansjörg Rigger, Krakau 2007
  • Kiebele – Kielbasa – Münck – van Meijl (Hg.), Die Salvatorianer in Geschichte und Gegenwart, Rom 1981
  • P. Dr. Stephan Horn SDS, Auf dem Weg zur Seligsprechung, Salvator. Salvatorianische Mitteilungen, 3/2012
  • Unterwegs, Nr. 6/2015
  • Informationes, Geselschaft des Göttlichen Heilandes Bd. XI, Nr. 23, Oktober 2016, Rom
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